Das erste Jahr entscheidet über deine Gründung. Und es entscheidet selten beim Umsatz, sondern fast immer auf dem Konto. Gründer planen Umsätze und Gewinne, aber nicht, wann das Geld tatsächlich ankommt. Das Ergebnis: Ein rechnerisch profitables Unternehmen ist im Mai zahlungsunfähig, weil drei Kunden erst im Juli zahlen.
Liquiditätsplanung ist kein Buchhaltungsthema. Sie ist das Frühwarnsystem deiner Gründung. So baust du sie auf.
Insolvenz entsteht nicht durch fehlenden Gewinn, sondern durch fehlende Liquidität. Du kannst ein Jahr mit Verlust überstehen, aber keinen Monat, in dem du Miete, Material und Krankenversicherung nicht zahlen kannst.
Im ersten Jahr treffen drei Effekte gleichzeitig auf dein Konto. Erstens die Anlaufkosten: Ausstattung, Kaution, Marketing, Versicherungen, alles vor dem ersten Umsatz. Zweitens der Zahlungsverzug: Zwischen Leistung und Geldeingang liegen je nach Branche 30 bis 60 Tage, bei Geschäftskunden oft mehr. Drittens dein Privatbedarf: Miete und Krankenversicherung warten nicht, bis dein Geschäft läuft.
Du startest im Januar, erbringst im Februar Leistungen für 6.000 Euro, Zahlungsziel 30 Tage. Das Geld kommt im April, ein Kunde zahlt erst im Mai. Deine Februar-Kosten von 3.500 Euro plus 2.200 Euro Privatbedarf sind aber sofort fällig. Auf dem Papier bist du profitabel. Auf dem Konto fehlen dir Ende Februar 5.700 Euro.
*Start mit 10.000 Euro Eigenmitteln. Die Tabelle zeigt das typische Muster: Der tiefste Punkt liegt nicht am Anfang, sondern im Monat drei oder vier. Genau dort scheitern Gründungen, deren Plan nur Jahreswerte kennt. Wer den Tiefpunkt kennt, kann ihn finanzieren. Wer ihn nicht kennt, wird von ihm überrascht.
Die gefährlichste Zahl im Businessplan ist der Jahresgewinn. Er beruhigt, obwohl das Konto im April leer ist. Plane monatlich, dann siehst du das Problem, solange du es noch lösen kannst.
Liquiditätsplanung beantwortet die einzige Frage, die im ersten Jahr wirklich zählt: Reicht das Geld in jedem einzelnen Monat? Sie gehört in jeden Businessplan, monatlich und mit realistischen Zahlungszielen. Banken und die Agentur für Arbeit prüfen genau diesen Teil zuerst. Mehr zu den übrigen Stolperstellen findest du im Beitrag zu den häufigsten Businessplan-Fehlern.
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